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Spielpädagogik

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Die Spielpädagogik ist ein Ansatz der Sozialen Arbeit und Sozialpädagogik, der spielerische Elemente und ihren Einsatz als Medium und Methode innerhalb der sozialen Arbeit erfasst. Sie bildet eine eigene Sparte, die nahezu mit allen Sparten der Pädagogik kooperieren kann, aber nicht zwingend muss, z. B. in der Erlebnispädagogik, der Kulturpädagogik, der Jugendarbeit und Sonderpädagogik. Dabei bildet die Theaterpädagogik eine Unterkategorie der Spielpädagogik, welche besonders das Medium Theaterspiel (auch darstellendes Spiel) in den Blick nimmt. Spielpädagogik steht dabei im Schnittpunkt der drei großen gesellschaftlichen Aufgaben Bildung, Kulturarbeit und Jugendarbeit.

Sie richtet sich auch nicht ausschließlich an Kinder und Jugendliche, das Medium Spiel mit spielpädagogischer Arbeit findet auch im Bereich der Altenhilfe, der Erwachsenenbildung und im wirtschaftlichen Bereich beispielsweise beim Motivationstraining und der Personalentwicklung seinen Platz.

Inhaltsverzeichnis

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Entstehungsgeschichte der Spielpädagogik [Bearbeiten]

Spiel war von jeher ein wichtiges Element in der Erziehung und in der Kulturgeschichte der Menschen, ausgehend vom „Homo ludens“, dem spielenden Menschen, setzten sich bedeutende Gelehrte und Wissenschaftler wie Friedrich Schiller oder der Soziologe Johan Huizinga mit der Erscheinung und dem Phänomen Spiel theoretisch auseinander.

In der Geschichte der freien und öffentlichen Jugendbildung nimmt die Methode Spiel in der Nachkriegszeit eine besondere Bedeutung ein. Vor allem in Deutschland, Österreich (Herausbildung der wissenschaftlich professionellen Spielpädagogik oder Spielpraxis ab den 1950er Jahren (Wandervogelbewegung, kirchliche Jugendarbeit, Pfadfinderbewegung, ...) und den USA (z. B. New Games ab 1969) entstehen Bewegungen vorerst in der außerschulischen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die die Bedeutung des Spiels als Medium und Methode sozialer Arbeit verstärkt erkennen und praktisch nutzen. Die zunehmende Professionalisierung der sozialen Arbeit rücken auch die Spielpädagogik stärker in den Fokus.

Nachdem seit 1969 durch Leute wie Hans Frör, Fritz Rohrer, Wolfram Jokisch und Ulrich Baer das Spiel nicht nur als therapeutische Methode (Spieltherapie), sondern auch als Kulturgut, Phänomen und Methode innerhalb der sozialen Arbeit näher untersucht und elaboriert wird, ist es mittlerweile eine der wichtigsten Methoden pädagogischen Handelns. Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bekam es in den Lehrtraditionen aller pädagogischen Berufsgruppen seinen festen Platz und die Spielpädagogik ihre Manifestation zwischen Praxis des Spiels, Spielberatung und -analyse und theoretischer Fortentwicklung spielpädagogischer Arbeit. So erschien 1995 mit Ulrich Baers „Spielpraxis – Eine Einführung in die Spielpädagogik“ ein Lehrbuch in dieser Sparte. Zeitgleich betont der Allgemeinpädagoge Hermann Hobmair 1995 die besondere Bedeutung des Spiels für Kinder mit dem Satz: „Kinder werden im Spiel erzogen“. Theorie und Praxis der pädagogischen Arbeit wurden durch die wieder entstehende Spielpädagogik hiermit entscheidend verändert.

Wichtige Vertreter und Bewegungen des spielpädagogischen Ansatzes [Bearbeiten]

Schon 1972 erschien ein Lehrbuch für die pädagogische Praxis vor allem im kirchlichen Bereich (Hans Frör: Spielend bei der Sache). Es kann als erster Schritt hin zur Spielpädagogik als eigener Disziplin innerhalb der vorrangig ehrenamtlich geprägten sich professionalisierenden Jugendarbeit gesehen werden. Die aus den USA stammende New-Games-Bewegung wandelte die spielpädagogische Praxis seitdem sehr stark und diente als Puffer für die herkömmliche Spielpraxis. Spielesammlungen entstanden (wie U. Baer 500 und später 666 Spiele, und die Steiner Spielekartei von Wolfram Jokisch), und Spielrezensionen fanden genauso Einzug in die Spielpädagogik wie Großgruppenspiele meist kooperativer Art.

Rüdiger Gilsdorf und Günter Kistner (u. a.) entdeckten die Bedeutung dieser ab 1995 für die wiederaufkeimende Erlebnispädagogik erneut. Auch gewannen interaktive Rollenspiele (z. B. Achim Schmid) zunehmend an Bedeutung.

Exemplarische Anwendungs- und Wirkungsbereiche der Spielpädagogik [Bearbeiten]

„Der Einsatz von Spielmobilen, Spielaktionen oder Spielhäusern nutzt das Spiel als genuine kulturelle Tätigkeit von Kindern und Jugendlichen.“ (Zitat Ministerium für Arbeit, 2000). Neben den klassischen Spielformen wie den Ball- und Brettspielen gehören auch Gruppen- und Kommunikationsspiele, Konzentrationsübungen und Interaktionsspiele, Rollenspiele und die sogenannten „New Games“ zum Bereich der Methodik der Spielpädagogik. Nach „Müller- Rolli 1988“ liegt in der praktischen Arbeit ein Schwerpunkt auf Kurzzeitprojekte, in denen mehr Wert auf den Prozess des Spielens gelegt wird, als auf das künstlerische Endprodukt.

Literatur [Bearbeiten]

  • Ulrich Baer: Spielpraxis – Eine Einführung in die Spielpädagogik. Kallmeyerische (Edition: Gruppe und Spiel), ISBN 3-7800-5800-6
  • Ulrich Baer: 666 Spiele für jede Gruppe für alle Situationen. Kallmeyerische (Edition: Gruppe und Spiel), ISBN 3-7800-6100-7
  • Grüneisl,Gerd, Knecht, Gerhard, Zacharias Wolfgang(HG): "Mensch und Spiel". Der mobile "homo ludens im digitalen Zeitalter, 2001+, LKD Verlag, Unna 2001 ISBN 3-931949-31-1
  • Ulrich Heimlich: Einführung in die Spielpädagogik. Eine Orientierungshilfe für sozial-, schul-, und heilpädagogische Arbeitsfelder Klinkhardt - Verlag, ISBN 3-7815-0989-3
  • Johan Huizinga: Homo Ludens – Vom Ursprung der Kultur im Spiel. Rowohlts Enzyklopädie rororo, ISBN 3-499-55435-6
  • Hans Frör: Spielend bei der Sache Chr. Kaiser Verlag, München, ISBN 3-459-00810-5
  • Rüdiger Gilsdorf, Günter Kistner: Kooperative Abenteuerspiele – Praxishilfe für Schule und Jugendarbeit. Kallmeyerische (Edition: Gruppe und Spiel), ISBN 3-7800-5801-4
  • Rüdiger Gilsdorf, Günter Kistner: Kooperative Abenteuerspiele 2 – Praxishilfe für Schule, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung. Kallmeyerische (Edition: Gruppe und Spiel), ISBN 3-7800-5822-7
  • Wolfram Jokisch: Steiner Spielekartei: Elemente zur Entfaltung von Kreativität, Spiel und schöpferischer Arbeit in Gruppen. Ökotopia Verlag, ISBN 3-925169-09-1

Zitate [Bearbeiten]

  • „Spielen heisst experimentieren mit dem Zufall.“ Fritz Rohrer
  • „Spielpädagogik ist als selbstständiges Spezialgebiet der Pädagogik gerade vielleicht 25 Jahre alt.“ Ulrich Baer 1995
  • „Spielen ist die Weise, wie ein Mensch seinen Möglichkeiten auf der Spur bleibt.“ Ernst Lange
  • „Der Reiz des Spiels geht nicht vom Leiter aus, sondern vom Spiel selbst.“ Hans Froer
  • „Ein grundlegendes Element unserer Kultur ist das Spiel. Der Mensch ist ein Spieler – und ohne seine Lust und Fähigkeit zum Spielen hätten sich ganze Bereiche seiner Kultur nicht entwickelt....“ Johan Huizinga, Homo ludens

Siehe auch [Bearbeiten]

Spiel, Pädagogik, Psychologie, Ludologie

Weblinks [Bearbeiten]

 

18.7.07 14:26

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